Original,
Anlysiert, Größenverteilung
Biologischer
Hintergrund
Mit der zunehmenden nationalen und internationalen Gesetzgebung
zum Schutz des Bodens, werden auch ökotoxikologische Biotests
mit Bodenorganismen immer wichtiger. Für den Collembolentest
liegt die ISO Norm 11267 Soil quality - Inhibition of
reproduction of Collembola (Folsomia candida) by soil pollutants
(ISO 1999) als internationaler Standard zur Prüfung von
Chemikalien vor.
Unter
Berücksichtigung einiger Besonderheiten (Fraunhofer 2001b)
kann der Test auch hervorragend zur Untersuchung kontaminierter
Böden eingesetzt werden. Zu diesem Zweck wurde ein Ringtest
erfolgreich durchgeführt (Fraunhofer 2001a). Im Rahmen
einer anschließend stattfindenden Vergleichsuntersuchung
von 8 unterschiedlich stark belasteten Böden wurden 5 Böden
als toxisch für Collembolen beurteilt. Aufgrund dieser
Ergebnisse wurde der Collembolentest in der Teststrategie zur
Erfassung der Lebensraumfunktion als einer von 5 Tests vorgeschlagen
(Fraunhofer 2001b).
Durchführung
des Collembolentests
Die Norm sieht neben einem akuten Tests zur Vorprüfung,
einen chronischen 28-Tage-Test als Reproduktionstest vor.
Beim
chronischen Test werden zu Testbeginn 10, 10 bis 12 Tage alte
Tiere in die Bodenprobe eingesetzt und nach 28 Tagen wird der
Test abgebrochen. Zur Auswertung werden die Tiere mit Wasser
aufgeschwemmt und dieses Wasser zur besseren Kontrastierung
mit Tinte angefärbt. Da tote Collembolen und abgestreifte
Häute im Boden sehr schnell ihre hydrophoben Eigenschaften
verlieren und von anderen Collembolen als Destruenten auch gefressen
werden, werden praktisch nur lebende Tiere aufgeschwemmt. Am
Testende müssen bis zu 1000 Collembolen pro Testansatz
gezählt werden. Dies kann bei einem durchschnittlichen
Test bis zu 20.000 Collembolen bedeuten. Diese werden oft in
Doppelzählungen erfasst, da entsprechend der Norm ein Zählfehler
von 10 % nicht überschritten werden darf (ISO 1999).
Auswertung
mit dem LemnaTec Scanalyzer
Die Auswertung der am Testende mit gefärbtem Wasser aufgeschwemmten
Collembolen erfolgt schnell und reproduzierbar mit dem LemnaTec
Scanalyzer und dem Softwarepaket Collembol entsprechend der
ISO-Norm. Die Software ist für die einfache und effiziente
Anwendung in der Laborpraxis ausgelegt. Besondere Computerkenntnisse
oder Kenntnisse in der Bildverarbeitung sind nicht erforderlich.
Der
Einsatz des LemnaTec Scanalyzers garantiert konstante Aufnahmebedingungen
und eine hohe Qualität der Aufnahmen. Dazu wird eine hochauflösende
Kamera mit einer Auflösung von 1280 * 960 Pixeln eingesetzt.
Der Einsatz niedriger auflösender Kameras ist möglich;
es muss dann nur die Aufnahmefläche entsprechend reduziert
werden.
Mit
der hohen Kameraauflösung können die Collembolen in
Gefäßen mit einer Größe bis zu 10,5 *
8 cm aufgeschwemmt und dann automatisch gezählt werden.
Durch die Verwendung kleinerer Gefäße steigt die
Auflösung und damit wird auch die Differenzierung der Größenverteilung
(s. u.) weiter verbessert.
Die Beleuchtung
des Scanalyzers ist speziell darauf ausgelegt, konstante Beleuchtungsbedingungen
zu gewährleisten, Spiegelungen zu minimieren und bildanalytisch
kontrollierbar zu machen.
Auswertungsbeispiel
mit Originalbild (Ausschnitt für Gefäß mit der
Größe 10,5 * 8 cm) und Auswertungsbild
Mit
Hilfe der hochentwickelten Bildverarbeitung lassen sich auch
eng aneinanderliegende Collembolen, Schaum und aufgeschwemmte
Bodenbestandteile gut separieren und die Collembolen reproduzierbar
quantifizieren. Zur effektiven Detektion kleinster Collembolen
wird jedoch empfohlen, die Schaumbildung der Proben zu minimieren.
Validierungstests
ergaben Abweichungen der automatischen Auswertung vom visuellen
Zählwert von deutlich unter 10 %. Damit liegt die automatische
Auswertung sicher im Bereich der ISO-Normanforderungen.
Alle
Bildanalyseergebnisse werden visuell am Bild dargestellt. Dies
ermöglicht eine effiziente Qualitätskontrolle entsprechend
GLP. Störobjekte die Bildanalytisch nicht abtrennbar sind
(gelegentlich Hefepartikel) lassen sich im Rahmen der Qualitätskontrolle
und Nachbearbeitung manuell entfernen. Nachbearbeitung und die
visuelle Kontrolle der Ergebnisse werden automatisch protokolliert.
Die Bildanalyseparameter können vom Anwender ohne Bildverarbeitungskenntnisse
besonderen Bedingungen komfortabel angepasst werden Sollten
dennoch Fragen aufkommen, steht LemnaTec gerne zur Verfügung
und kann auch Auswertungsmethoden zur Verfügung stellen
oder diese Methoden an Kundenbildern optimieren.
Datenhandhabung
Neben Einzelbildern können auch ganze Messreihen nach einmaliger
Vorgabe der Konzentrationsstufen und Replikatzahlen und der
eingesetzten Konzentrationen eingegeben werden. Zur weiteren
Arbeitserleichterung und Verhinderung von Verwechselungen steht
optional ein Barcodelesegerät zur Verfügung.
Nach
Abschluss der Bildaufnahme werden dann die Bilder des gesamten
Tests mit der vorgegebenen Methode vollautomatisch ausgewertet.
Alle Daten der Bildaufnahme, Auswertung und die Ergebnisse ganzer
Messreihen werden übersichtlich und GLP-konform gespeichert.
Alle Bilder, Roh- und Auswertungsdaten stehen für den Export
in gängige Tabellenkalkulationsprogramme zur Verfügung.
Für
die Auswertung als EC-Werte steht das Statistikmodul Biostat
zu Verfügung. Mit diesem GLP-konformen Auswertungsmodul
werden nur durch aufrufen der entsprechenden Ergebnisdatei EC-Werte
und Vertrauensintervalle berechnet und als Tabelle und Graphik
zur Verfügung gestellt.
Neben
der Anzahl der Tiere ermittelt der LemnaTec Scanalyzer automatisch
auch die Größenverteilung der Collembolen. Damit
kann entsprechend den Normvorgaben, die Anzahl der wiedergefundenen
Alttiere und die Anzahl der Jungtiere ermittelt werden. Darüber
hinaus eröffnet der Scanalyzer aber auch den Zugang zur
Größenverteilung der Tiere, als einer wichtigen Populationseigenschaft.
Die Größe der Tiere macht auch eine Aussage über
die Fitness der Population und deren Reproduktionsdynamik. Dies
erleichtert die objektive und reproduzierbare Erfassung jeglicher
pathologischer oder anderer Symptome, wie dies in der
Norm gefordert wird. Die Größenverteilung macht die
jeweilige Anzahl und Größe der Tiere aus dem ersten
und zweiten Gelege zugänglich und schafft damit neue ökotoxikologische
Endpunkte (Krogh 1998).

Größenverteilung
einer Kontrollpopulation. Neben den erwachsenen Tieren sind
deutlich junge Collembolen aus zwei aufeinanderfolgenden Gelegen
zu erkennen.
Da
sich aus der Summe der Größe aller Tiere auch ein
Gesamtbiomasseparameter ableiten lässt, eröffnet sich
die Möglichkeit, neben der Anzahl auch die Gesamtbiomasse
(Hier als Summe aller sichtbaren Collembolenoberflächen)
zur Berechnung von Hemmwerten als zusätzliche Größe
einzusetzen. Unterscheidet sich der EC-Wert der Gesamtcollembolenfläche
signifikant von dem der Anzahl, ist dies ein deutlicher Hinweis
auf sekundäre Effekte des Schadstoffes, die nicht durch
die Anzahl abgebildet werden.
Genaue
Untersuchungen zur gebildeten Biomasse und zur Organismengröße
sind auch für höher differenzierte Wachstums- und
Toxizitätsmodelle, wie z. B. dem DebTox Modell von großer
Wichtigkeit (Nisbet 2000, Kooijman 2001)
Bei
anderen Tests hat sich eine Verschiebung der Größenverteilung
unter Stoffeinfluss und die damit u. U. einhergehende Verringerung
der Gesamtbiomasse schon als Toxizitätsparameter herausgestellt.
Dieser ist deutlich empfindlicher als die unterschiedslose Zählung
aller Organismen (Jenner 1989, LemnaTec 2000, Hammers-Wirtz
2000).
Damit
ermöglicht die bildanalytische Auswertung des Collembolentests
mit dem LemnaTec Scanalyzer und eine umfassende Quantifizierung
von Effekten im Reprotest, sowohl für Forschungszwecke
als auch zur Bearbeitung genormter Tests.
Sonderanwendungen
bei besonders hoher Auflösung
Die Auflösung der Bilder der einzelnen Collembolen kann
durch die Verringerung des Abstandes der Probe zur Kamera und
durch einfachen Objektivwechsel für Spezialuntersuchungen
noch weiter vergrößert werden. Mehrfachaufnahmen
von einer großflächigen Aufnahmeeinheit können
bequem als Screening-Messreihen durch Verschieben des Probengefäßes
durchgeführt und ausgewertet werden

Beispielbilder
bei höheren Auflösungen mit angegebenem Sichtfeld
und Auflösung in mm pro Pixel
Literaturangaben
-
Fraunhofer
(2001a), Ökologische und genotoxikologische Beurteilung
von Böden und Substraten Ringtestergebnisse Erich
Schmidt Verlag
-
Fraunhofer
(2001b), Endbericht zum Verbundvorhaben Validierung
und praxisnahe Erprobung biologischer und ökotoxikologischer
Tests zur Beurteilung belasteter und sanierterBöden und
Substrate IUCT Schmallenberg
-
Hammers-Wirtz
M, HT Ratte (2000), Offspring Fitness in Daphnia: Is the Daphnia
Reproduction Test appropriate for Extrapolating Effects on
the Population Level? Enviro. Toxicol. Chem. 19,.1856-1866
-
ISO
(1999), Soil Quality inhibition of reproduction of
collembola (Folsomia candida) by soil pollutants, ISO 11267:1999(E)
-
Jenner
HA, JPM Janssen-Mommen (1989), Phytomonitoring of pulverized
fuel ash leachates by the duckweed Lemna minor, Hydrobiologica
188:189, 361-369
-
Kooijman
SALM (2001), Quantitative aspects of metabolic organization:
a discussion of concepts Phil. Trans. R. Soc. Lons. B, 356,
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-
Krogh
HA, K Johansen, M Holmstrup (1998) Automatic counting of collembolans
for laboratory experiments Applied Soil Ecology 7, 201-205
-
LemnaTec
(2000), Observation Parameters of the Duckweed Growth Inhibition
Test - Frond number - Total Frond Area - Dry weight, LemnaTec
papers LT 001
-
Nisbet
RM, EB Muller, K Lika, SALM Kooijmann (2000), From molecules
to ecosystems through dynamic energy budget models, Journal
of Animal Ecology 69, 913-926