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Kurze Programmübersicht
Mit
dem LemnaTec Programm ForzaHTS wird die Mobilität von Kleinlebewesen
in Mikrotiterplatten quantifiziert.
Die Mikrotiterplatten werden in das LemnaTec Positioniersystem
Scanalyzer HTS eingelegt. Nach Start des Aufnahme- und Auswertungsprogrammes
wird je nach zu testendem Organismus ein Testprogramm ausgewählt
und die entsprechenden Aufnahme- und Analysemethoden automatisch
aktiviert. Zur Bildaufnahme werden Mikrotiterplatten über
ihren Barcode identifiziert, dann werden die vorgegebenen Bildaufnahmepositionen
angefahren.
In der Position nimmt dann das digitale Kamera-System in den vom
Anwender bestimmten Zeitabständen eine von ihm festgelegte
Anzahl an Bildern auf. Anschließend wird die nächste
Aufnahmeposition angefahren. So werden alle Mikrotiterplatten
nacheinander eingelesen.
Schon während der Bildaufnahme findet im Hintergrund die
Analyse der Bilder statt. Als erstes Bildanalyseergebnis wird
aus den Einzelbildern ein Bewegungsbild errechnet und gemeinsam
mit einem Originalbild (optional) abgespeichert.
In einem weiteren Analyseschritt werden dann alle signifikanten
Bewegungen in den Wells quantifiziert, indem sie in - zuvor konfigurierte
- Beweglichkeitsklassen eingeteilt werden.
Damit steht dann zu jeden Well eine Bewegungsverteilung zur Verfügung.
Dieses Ergebnis wird gemeinsam mit den Bildern und Rohdaten in
die Datenbank eingetragen.
In der Bildübersicht und den Datenausgabetabellen werden
auf Basis der Mobilitätsverteilung definierbare Hits farblich
besonders markiert. Die diversen Kontrollen werden analog ausgewertet
und klassifiziert. Dies erlaubt eine permanente Qualitätskontrolle
des gesamten Testsystems.
Abgespeicherte Bilder und Daten
Das
Mobilitätsbild enthält in dokumentierter Form alle Bewegungen
für die quantitative Analyse und auch spätere Reanalysen.
Aus dem optional abspeicherbaren Originalbild lassen sich Auffälligkeiten
der Messergebnisse optimal rekonstruieren. Dies bietet ein Maximum
an Datenvalidität. So können z. B. auf den Originalbildern
die Inokulation mit Eiern, besondere Verfärbungen oder Markierungen
für nicht auswertbare Wells detektiert werden.
Neben den Bildern, den Analysemethoden (Aufnahmeanzahl, Zeitdifferenz,
Bewegungsklassen) und den Mobilitätsparametern (Mobilitätsklassenverteilung,
lebend/beeinflusst/tot Klassifikation) und der Wellidentifikation
(Barcode ID, Wellname) werden alle GLP-notwendigen Daten (Zeit,
Organismus, Auswerter) gespeichert und stehen für andere
Datenbanksysteme zur Verfügung.
Notwendige
Auflösung bzw. Ausschnittwahl
Der
Anwender legt gemäß den Versuchserfordernissen fest,
wie groß der Ausschnitt der Mikrotiterplatte ist, der pro
Bild aufgenommen werden soll. Bei Platten mit 96 Wells und den
hier vorliegenden Organismen sind Ausschnitte von 4x6 oder 2x3
Wells möglich. Mit kleineren Ausschnitten (2x3 Wells) wächst
die Detailauflösung, aber die Aufnahmezeit vervierfacht sich.
Zur Veränderung der Auflösung muss nur das Objektiv
ausgetauscht und eine andere Konfigurationsdatei verwendet werden.
Die vorliegenden Aufnahmen wurden mit einem 2x3 Ausschnitt aufgenommen.
Aufnahmezeitraum
Wenn
sich die untersuchten Organismen sehr schnell bewegen und sich
durch Platzmangel in den Wells gegenseitig in Bewegung versetzen,
können die Zeitabstände zwischen den Bildaufnahmen und
die gesamte Aufnahmezeit kurz gehalten werden, ohne dass es zu
einer schlechteren Differenzierung der Bewegungsklassen kommt.
Gleichzeitig kann so der Durchsatz maximiert werden. Ein Aufnahmezeitraum
von 5 Sekunden reicht in jedem Fall aus. Bei schnelleren Organismen
ist die Verkürzung der Aufnahmezeit auf eine Sekunde möglich.
Ergebnisse der Bilderkennung
Die
Mückenlarven auf den Mikrotiterplatten wurden vom MicroMove
HTS-Testsystem aufgenommen und den Wells zugewiesen. Die Aufnahmezeiten
bei der hier vorgestellten Untersuchung lagen zwischen 1 und 5
Sekunden. Abbildung 1 zeigt jeweils eine Aufnahme aus 5 Sekunden
Sequenzen, die als Kontrolle und nach 120 Minuten Testzeit aufgenommen
wurden.
Die Aufnahmen zeigen deutliche Größenunterschiede zwischen
den einzelnen Testorganismen, da es sich nicht um eine synchronisierte
Kultur handelt. Bei Betrachtung der Sequenz fallen weiterhin Unterschiede
in der Mobilität der Organismen auf, sowohl bezüglich
der Bewegungsgeschwindigkeit als auch der Bewegungshäufigkeit.
Von den Wirkstoffen hervorgerufene Verfärbungen erschweren
die differenzierte Betrachtung der Organismen durch menschliche
Betrachter besonders im Well 2f (Wirkstoff Nikotin).

Abbildung
1: Originalbilder der Wells. Links Kontrolle 1-6 , rechts 2 Stunden
nach Wirkstoffzugabe.
Wirkstoffe in den Wells: 2a: Tensid, 2b: Kontrolle 7, 2c: Kontrolle
8 , 2d: Ethanol 5% , 2e: Ethanol 50%, 2f: Nikotin
Zur Quantifizierung der Bewegungen der Testobjekte wird ein Mobilitätsindex
eingeführt. Um das Testsystems von schwer stabilisierbaren
Faktoren wie Individuenzahl und -größe zu entkoppeln
wird der Index normiert. Die Normierung beruht auf einem mathematischen
Bewegungsmodell und berücksichtigt die Anzahl und Größe
der Testorganismen. Der Mobilitätsindex ist somit abhängig
von der Art der Organismen. Die Schwellenwerte für die Detektion
beeinflusster Organismen sind also für jedes Testdesign mit
einem Kontrollsatz zu ermitteln und können dann statisch
auf beliebig viele Tests innerhalb des Designs angewandt werden.
In Tabelle 1 sind die mit dem LemnaTec MicroMove HTS System ermittelten
normierten Mobilitätsindizes aufgeführt. Dabei liegen
alle Kontrollen deutlich oberhalb 3000 Einheiten. Im Fall der
mit Wirkstoff behandelten Testorganismen werden höchsten
Werte von 650 erreicht, was eine deutliche Abschwächung der
Bewegung signalisiert. Diese Abschwächung der Beweglichkeit
wird bei der Betrachtung der Testsequenz durch einen menschlichen
Beobachter ebenfalls wahrgenommen.
Bei längerer Betrachtung der Organismen, die mit Ethanol
50% behandelt wurden, konnten gelegentliche sehr schwache Bewegungen
festgestellt werden. Diese werden ebenfalls bei der Ermittlung
der Mobilitätsindizes gefunden und mit 62 Einheiten bewertet.
Tabelle
1
| Kontrolle |
|
2 Stunden
nach Wirkstoffzugabe
|
|
| Mobilitätsindizes |
|
|
|
| Kontrolle
1: 5639 |
Kontrolle
2: 7178 |
Tensi:
0 |
Kontrolle
7: 5372 |
| Kontrolle
3: 3978 |
Kontrolle
4: 8467 |
Kontrolle
8: 6069 |
Ethanol
5%: 683 |
| Kontrolle5:
9315 |
Kontrolle
6: 9427 |
Ethanol
50%: 1 |
Nikotin:
62 |
Der
MicroMove HTS Test detektiert mit hoher Messdynamik die Mobilitäten
von Kleinlebewesen. Dabei ist das Testsystem weitgehend unabhängig
von der Art, Anzahl und Größe der Individuen, sowie
der unterschiedlichen Bewegungsarten der Organismen.
Abbildung
2 zeigt die Falschfarbendarstellung der durch das MicroMove HTS
Programm detektierten Bewegungen der Testobjekte. Die Bewegungen
wurden in sechs Beweglichkeitsklassen eingeordnet. Zu Testbeginn
zeigt jedes Well Ereignisse von der Beweglichkeitsklasse sehr
langsam' bis zur Beweglichkeitsklasse sehr schnell', dargestellt
in gelb.
Ohne weitere Berechnung lässt sich abschätzen, dass
die Bewegungseinstufungen der Wells individuelle Unterschiede
aufweisen. Dies liegt hauptsächlich in zwei Faktoren begründet.
Zum einen handelt es sich bei den Versuchsobjekten um eine große
Anzahl deutlich unterschiedlicher Individuen (siehe Tabelle 1),
zum anderen wird eine Bewegung in Richtung der z-Achse (Senkrecht
zur Aufnahme) nicht erfasst.
Nach Testende werden in Well a und e (Wirkstoffe Tensid und Ethanol
50%) keine Bewegungen mehr detektiert (siehe Abbildung 1). Wie
durch die Betrachtung der Bildsequenz verifizierbar, sind die
Testobjekte bewegungslos. Die Kontrollen zeigen nach wie vor Bewegungen
aller Klassen.´
Im Well d und f sind die Bewegungen deutlich schwächer geworden
(Wirkstoff Ethanol 5% und Nikotin). In Well d (Ethanol) ist die
Fläche auf der Bewegungen stattgefunden hat deutlich vermindert.
In Well f (Nikotin) werden lediglich noch vereinzelt als normal'
klassifizierte Bewegungen erkannt.
Abbildung
2: Falschfarbendarstellung unterschiedlicher Objektbeweglichkeiten
(Wells identisch zu Abbildung 1)
Das
LemnaTec MicroMove HTS System unterscheidet also auf einer 96
Well Mikrotiterplatte innerhalb von wenigen Sekunden pro Aufnahmeeinheit
(2x3 o. 4x6 Wells) zuverlässig tote von lebendigen Testorganismen,
ohne dabei von Eintrübungen oder Verfärbungen der Testmedien
gestört zu werden. Auch individuelle Unterschiede in der
Testpopulation stören den Test nicht.
Statistische Auswertung der Bilderkennung
In
Abb. 3 sind die Mobilitätsindizes der Kontrollversuche und
des Wirkstofftestes nach 30 min. aufgetragen. Auf Basis der Kontrollversuche
lässt sich ein Schwellwert für den Mobilitätsindex
von 3000 Einheiten festlegen. Oberhalb dieses Wertes werden Mobilitäten
demzufolge als unbeeinflusst deklariert. Die Schwankungen der
Mobilitätsindizes der Kontrollen ist auf individuelle Unterschiede
der Testorganismen zurückzuführen.
Bild
1: 5 Sekunden Scans von einer Kontrollreihe (links) und einer
Testreihe (rechts) nach 30 Minuten mit den auf der X-Achse aufgetragenen
Wirkstoffen. Der Schwellenwert für eine detektierbare Wirkung
wird basierend auf den Kontrollergebnissen auf 3000 Mobilitätseinheiten
festgelegt.
Der
Mobilitätswert der mit Ethanol 5% über 30 Minuten behandelten
Testpopulation unterschreitet diesen Wert eindeutig, während
Nikotin zu einer noch deutlicheren Einschränkung der Mobilität
führte. Die mit Ethanol 50% und Tensid behandelten Individuen
sind bereits immobil.
Betrachtet
man die Bildsequenzen der Wells als Film, so werden diese Ergebnisse
der elektronischen Bilderkennung verifizierbar. Auch die leichte
Beeinflussung nach 30 min. der mit 5% Ethanol behandelten Testorganismen
kann von einem menschlichen Betrachter abgeschätzt werden.
Allerdings wären solche Abschätzungen auf keinen Fall
für menschliche Betrachter reproduzierbar oder auf Abschätzungen
anderer Beobachter übertragbar.

Bild 2: Zeitabhängige Wirkungstoffeffekte auf die Mobilität
der Testorganismen
In
Bild 2 sind die Wirkstoffeffekte auf die Mobilität der Testorganismen
in Zeitabhängigkeit gezeigt. Es wird deutlich, dass die Wirkeffekte
von Nikotin und Alkohol nach 30 Minuten noch nicht maximal sind,
allerdings unterschreiten diese eindeutig den auf Basis der Kontrollen
festgelegten Schwellenwert.
Durch zeitabhängige Messungen können also beispielsweise
Wirkprofile von unterschiedlichen Substanzen untersucht und die
benötigte Testdauer für eine sichere Unterschreitung
des Schwellwertes ermittelt werden.
Zusammenfassung
Mit
dem LemnaTec MicroMove HTS lassen sich die untersuchten Testorganismen
zuverlässig und effektiv in ihrer Reaktion auf zugesetzte
Stoffe klassifizieren. Die Detektionsmethode ist hoch signifikant
und ermöglicht dadurch eine rigide Einteilung in Mobilitätsklassen
wie es für das HTS-Screening von hoher Bedeutung ist. Störeinflüsse
wie Testmedieneintrübungen und Verfärbungen wirken sich
nicht merklich auf die Bewegungsanalyse aus. Bereits nach Scans
von fünf Sekunden werden valide Daten geliefert, frei von
statistischen Dropouts' aufgrund unregelmäßiger,
zuckender Bewegungen von aquatischen Kleinlebewesen ohne eindeutige
Bewegungsrichtung. Der Test ist damit also weitgehend unabhängig
vom Testorganismus. Durch die Normierung des Mobilitätsindexes
ist der Test darüber hinaus unsensibel gegenüber einer
Varianz der Testorganismenzahl.
Die Ergebnisse liefern weitaus mehr Informationen als lediglich
die Unterscheidung der Testpopulationen in lebendigen und toten
Organismen. Es lassen sich darüber hinaus geschwächte
Organismen sowie eventuell tonisierte erkennen. Durch die Quantifizierung
von Mobilitätsklassen können auch Veränderungen
im Bewegungsmuster erkannt werden. Durch eine zeitabhängige
Messreihe können beispielsweise Wirkprofile untersucht und
Testzeitoptimierungen durchgeführt werden. In Kombination
mit dem Scanalyzer HTS können bis zu 100 Platten à
96 Wells automatisch ohne Zwischeneingriffe ausgewertet werden.
Die umfassende Dokumentation der Bilder und Daten hält alle
Optionen für Reanalysen, Qualitätskontrollen und eine
GLP-konforme Dokumentation offen.
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