Ermittlung
von Konzentrations-Wirkungsbeziehungen
Das
Ziel der Analyse der Daten aus Konzentrations-Testreihen ist die Bestimmung
von quantitativen Konzentrations-Wirkungs-Beziehungen. Dafür werden
die gemessenen Effekte mit Hilfe rechnerischer Verfahren zu den getesteten
Konzentrationen in Beziehung gesetzt. Anschließend wird die Konzentration
bestimmt, die einen definierten quantitativen Effekt auslöst.
Dazu werden die gemessenen Effekte gegen die logarithmierten Konzentrationen
in einem Koordinaten-System derart aufgetragen, daß mit zunehmender
Konzentration c ein Ansteigen der beobachteten Effekte F(c) auftritt.
Im Allgemeinen wird eine solche Dosis-Wirkungs-Beziehung durch eine
sigmoid verlaufende 4 parametrische Kurve der Form
F(c)
= effmin + ( effmax - effmin ) f (a + b* log c)
wobei
die Parameter effmin , effmax den minimal bzw. maximal erreichbaren
Effekt als untere bzw. obere Asymptote der Konzentrations-Wirkungs-Beziehung
, a den Lage-Parameter und b die Steigung der sigmoiden Kurve angeben.
Bei
der Fittung von Testergebnissen an eine Funktion kann es von entscheidender
Bedeutung sein, an welche Funktion die Messdaten gefittet werden. Da
es noch kein umfassendes biologischen Modell für Konzentrations-Wirkungsbeziehungen
gibt, muß die Funktion empirisch ausgewählt werden. Übergreifende
Qualitätskriterien zum Vergleich verschiedener Funktionen werden
zur Zeit erarbeitet. Es liegen aber noch nicht genügend Erfahrungen
für eine Automatisierung der Auswahl vor.
Algorithms
Bei
den Algorithmen geht es um die mathematische Methode, wie die oben ausgewählte
Funktion an die gemessenen Werte angepasst wird.
BioStat
bietet zur Zeit zur Berechnung der Dosis-Wirkungs-Beziehung als lineares
Regressionsverfahren die Probitanalyse (Schätzverfahren nach dem
Maximum-Likelihood-Prinzip unter Verwendung der Normalverteilung vgl.
Finney 1971) sowie ein nichtlineares 4-Parameter-abhängiges logistisches
Verfahren mit dem Downhill-Simplex-Algorithmus als Fitverfahren an.
Bei Auswahl der nichtlinearen parameterabhängigen Funktion hat
der Benutzer die Möglichkeit durch manuelle Änderung der vom
Programm vorgeschlagenen Parameter eine bessere Anpassung an die tatsächlich
vorliegenden Daten vorzunehmen. Zusätzlich kann der Bearbeiter
bestimmen, wieviele und welche Parameter beim Fitversuch variiert werden
sollen, so daß mit dem logistischen Fit auch ein Verfahren für
die Anpassung der Funktion an die Daten in Abhängigkeit von zwei
bzw. drei Parametern möglich ist.
Nominal
Sigmoid (Probit)
Die
Probitfunktion ist in der Variante nach Nyholm (Wachstumsdaten) eine
sigmoide Funktion mit dem Wendepunkt bei 50 %. Sie läßt sich
log-linear darstellen und fitten. Die Werte 0 und 100 % sind nur asymptotisch
annäherbar. Liegen also Förderungseffekte (Hemmung negativ)
oder Hemmungen über 100 % (Absterben des Inokulums) vor, müssen
diese auf 0,001 bzw. 99,999 % Hemmung gesetzt werden (Fudging siehe
unten).
Dies kann je nach Datenlage die Konzentrations-Wirkungsbeziehung gerade
bei niedrigen EC-Werten stark beeinflussen. Die Funktion hat sich aber
besonders bei der Auswertung von Algentest und auch Wasserlinsentests
(Berechnung der Hemmwerte über Biomassezuwachs oder Biomasseintegral)
häufig bewährt.
4-Parameter-Logistic
Diese
nichtlineare Fitfunktion

mit
x : Konzentration
y : Effekt beim beobachteten Parameter
a ,d : Minimum und Maximum der Funktion
b : Steigung
c : Konzentration am Wendepunkt der Kurve
macht
deutlich weniger Vorgaben an die Form der Funktion.
So sind sowohl Förderungen als auch das Absterben des Inokulums
abbildbar, da keine Grenzwerte festgelegt werden müssen. Auch der
Wendepunkt ist nicht festgelegt. Letzteres ist besonders bei der Fittung
von Hemmwerten wichtig, die aus der Wachstumsrate berechnet wurden.
Hier liegen die Wendepunkte häufig im Bereich von 20 bis 30 % Hemmung.
Von entscheidender Bedeutung ist dieser Funktionstyp aber bei Wasserlinsentests
mit guter Datenlage auch bei hohen Hemmwerten. Hier zeigt es sich häufig,
daß die maximal erreichbare Hemmung unabhängig von der eingesetzten
Konzentration über 75 bis 85 % nicht weiter ansteigt. Dies tritt
besonders ausgeprägt auf, wenn auf der Basis der Wachstumsrate
mit dem Beobachtungsparameter Frondzahl gerechnet wird. Der Grund hierfür
ist, daß eine Reihe von Schadstoffen zwar noch die Entwicklung
von Fronds zulassen, die zu Testbeginn schon in den Taschen (pouches)
geschützt vorlagen, danach aber ab einer gewissen Konzentration
kein weiteres Wachstum mehr stattfindet.
In solchen Fällen versagt die Probit-Funktion völlig.
Fudging
Hier kann entschieden werden, ob Förderungseffekte (Hemmung negativ)
oder Hemmungen über
100 % (Absterben des Inokulums) auf 0,001 bzw. 99,999 % Hemmung gesetzt
werden oder nicht. Hintergrund ist, daß das Probitverfahren dies
zwingend notwendig macht und auch bei anderen Fitverfahren es keine
objektive Entscheidungsbasis dafür gibt, wie mit Werten außerhalb
des Bereiches von 0 - 100 % Hemmung verfahren werden soll.
So gibt es kein biologisch sinnvolles Konsensmodell zur Bewertung von
Förderungen. Bei der Berechnung nach der Wachstumsrate wird klar,
daß Hemmungen über 100 % (Absterben des Inokulums) zu biologisch
unkontrollierten Ergebnissen führen, da zwar für das Wachstum
ein Exponentialmodell verwendet werden kann, es aber keinerlei Hinweise
auf ein exponentielles Absterbemodell gibt.